Um sich eine falsche Existenz im Internet aufzubauen, betreiben Realfakes meist viel Aufwand.
Der erste Schritt ist in der Regel das Anlegen eines Accounts unter falschem Namen.
Um diesen glaubwürdig zu gestalten, werden Fotos benötigt – und das Internet bietet da eine Fülle an Möglichkeiten: Sie werden zum Beispiel aus fremden Facebook-Profilen geklaut, bei denen die Fotoansicht auf „öffentlich“ gestellt ist, von Online-Modelagenturen oder privaten Websites.
Realfakes verfügen oft über ein riesiges Fotoarchiv und haben für jede Gelegenheit ein passendes Bild parat.
Man sollte sich immer vor Augen halten: Im Internet ist kein einziges Foto ein Beweis für irgendetwas. Die Vorgehensweise des Fakes ist ganz simpel, erst hat er das Bild, dann „strickt“ er eine passende Geschichte drum herum, die er dir samt „Fotobeweisen“ liefert. So entsteht der Eindruck, er ließe dich an seinem Real Life teilhaben.
Außerdem ist es dank Bildbearbeitungsprogrammen natürlich immer möglich, Bilder so zu manipulieren, dass sie zur Story passen.

Man findet Fake-Accounts wirklich in jedem sozialen Netzwerk, sogar auf kostenpflichtigen Dating-Sites, besonders beliebt bei Fakes ist allerdings Facebook.
Das hat ganz einfache Gründe:

• Die Plattform ist in der Gesellschaft extrem verbreitet. Allein in Deutschland gibt es zur Zeit 26 Millionen aktive Nutzer (Stand: Juni 2013).
• Die Privatsphäre kann so eingestellt werden, dass öffentlich kaum etwas von dem Profil zu sehen ist. Das schützt den Täter.
• Über Facebook werden Nachrichten ohne für den Empfänger einsehbare IP versendet, so dass ein Laie ohne Kenntnisse von Social Engineering oder Hacking nicht zurückverfolgen kann, von welchem Ort/Land sie versendet wurden.
• Mit der Chat-Funktion ist unkomplizierte Kommunikation jederzeit möglich.
• Durch die Vernetzung mit Fake-Profilen von angeblichen Freunden, die Beiträge liken und Kommentare schreiben, wird eine maximale Glaubwürdigkeit erzielt.

Natürlich wird die Echtheit einer Person weniger angezweifelt, je öfter sie im Internet zu finden ist. Ein auf privat gestellter Instagram-Account, ein Profil bei Soundcloud, Twitter, Skype etc. – die Anmeldung ist schnell und unfassbar einfach. Der Täter benötigt lediglich eine E-Mail-Adresse, die man, auch unter Angabe falscher Daten, bei diversen Anbietern kostenlos bekommt, dazu noch Skrupellosigkeit, Fantasie und Organisationstalent, um die verschiedenen Fake-Personen zu koordinieren.

Ein weiterer Punkt, mit dem Soziale Netzwerke es Fakes extrem leicht machen, ist die Tatsache, dass es generell möglich ist, seinen Usernamen mindestens einmal, bei vielen Networks auch beliebig oft zu verändern, so dass die Accounts unter der alten URL/dem alten Usernamen nicht mehr gefunden werden können. Es entsteht der Eindruck, sie wären gelöscht worden, in Wirklichkeit werden sie unter neuem Namen weitergenutzt.
So kann sich der Täter mit der Zeit einen Pool an Profilen zulegen, auf die er bei Bedarf zurückgreifen kann.

Fake-Freunde Generell gilt: Je länger ein Mensch schon dabei ist, sich als Fake im Internet zu bewegen, umso zahlreicher, überzeugender und weit gestreuter sind seine Accounts.
Wie ich herausfand, verfügte der Realfake in meinem Fall über 24 miteinander befreundete Facebook-Profile (eine Auswahl davon im Bild oben), sieben Instagram-, acht Twitter-, vier Skype- und zwei SoundCloud-Accounts, drei Blogs und ein Profil bei OKCupid.

Fliegt ein Realfake auf, blockiert er meist in Rekordgeschwindigkeit sein Opfer, so dass dieses nicht einmal mehr die an dem Fall beteiligt gewesenen Profile reporten kann.

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