Das Internet.
Unendliche Weiten.
Unzählige Chancen und Möglichkeiten.
Grenzenlos und offen.
Anonym und intim gleichermaßen.
Und weltweiter virtueller Aufenthaltsort für Menschen jeder Art.

Was im Real Life meist schwierig ist, wird im Netz ganz leicht.
In andere Rollen schlüpfen, Dinge ausleben, die man sich im wahren Leben nie trauen würde, dem Alltag entfliehen. All das ist fast risikolos möglich.
Innerhalb von Sekunden lässt sich eine beliebige E-Mail-Adresse generieren, mit der man sich innerhalb von Minuten bei jedem beliebigen Social Network anmelden kann. Mit Hilfe passender, gestohlener Fotos und ein wenig Bildbearbeitung kann man sich Stück für Stück eine frei gewählte andere Identität zulegen. Mann, Frau, alt, jung, bodenständig, sexy – alles ist möglich, solange die eigene Phantasie es erlaubt, die neue Rolle einigermaßen glaubwürdig durchzuspielen.

Diese Seite befasst sich mit Realfakes. Der Fake-Typ unterscheidet sich von anderen durch den extremen Aufwand, den er betreibt, um sich eine perfektionierte falsche Identität zuzulegen. Um glaubwürdig zu erscheinen, erstellen Realfakes z. B. ganze Netzwerke von Fake-Accounts. Diese reichen von fiktiven Familienangehörigen und Freunden bis hin zu angeblichen Arbeitskollegen oder ehemaligen Mitschülern. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschleichen Realfakes sich das Vertrauen anderer Menschen, bauen langsam enge emotionale Bindungen zu ihnen auf und manipulieren sie auf vielerlei Weise. Realfakes haben niemals finanzielle Motive. Sie wollen kein Geld, sie wollen Gefühle – und häufig genießen sie die Macht, die sie über die andere Person haben.

realfakes.net informiert darüber, mit welchen Methoden Realfakes arbeiten, was Betroffene und Besorgte tun können, wie man sich schützen kann und welche leicht durchführbaren Recherchemöglichkeiten es gibt.

Anmerkung: In Amerika nennt man diese Art von Fakes, nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm und der MTV-SerieCatfish. Diese Bezeichnung geht auf eine Filmszene zurück, in der jemand (sehr vereinfacht, da ich nicht spoilern möchte) folgende Geschichte erzählt: Früher verschiffte man lebende Kabeljaue von Asien nach Nordamerika. Da sie sich in ihren Tanks kaum bewegten, wurde ihr Fleisch während der Überfahrt weich und matschig. Die Fischfänger begannen, Welse (im Englischen „Catfish“) mit in die Behälter zu tun, da diese die Kabeljaue in Bewegung hielten, was wiederum ihre Qualität verbesserte. Der Erzähler findet, dass es im Leben eines jeden Menschen Leute gibt, die wie diese Welse sind, die ihr Gegenüber „zum Nachdenken anregen und es auf Trab halten“. In der Person, die hinter Nevs Fake steckt, sieht er einen solchen Menschen.
Ich persönlich finde diese Ableitung unpassend positiv besetzt und verharmlosend, darum habe ich den Begriff nicht übernommen.

Nickelodeon zeigt die Catfish-Staffeln in deutscher Übersetzung. Ältere Folgen kann man sich online hier anschauen. Obwohl die Serie ohne Zweifel sehr unterhaltsam ist, geriet sie in die Kritik, als herauskam, dass sich in den meisten Fällen die Fakes selbst bei der Produktionsfirma melden, in den Episoden aber der Eindruck erweckt wird, das Opfer hätte den ersten Schritt gemacht. Ein interessanter Artikel darüber hier.
Auch die gezeigten Recherche-Erfolge sind nicht sehr realistisch: Häufig verwenden die Fakes z.B. in der Serie ihre realen Telefonnummern oder Adressen, die sich dann mühelos bis zur echten Person zurückverfolgen lassen. Die Bildersuche liefert natürlich fast immer Ergebnisse und kontaktierte Facebook-Freunde des Fakes rufen innerhalb von Minuten zurück und klären den Fall auf. Im „echten Leben“ funktioniert das leider nie so einfach …


Wichtig: Diese Seite befasst sich nicht mit Romance Scamming und Scammern. Da es sich hier um eine kriminelle Straftat mit finanziellen Absichten handelt, ist die Tätermotivation eine ganz andere. Informationen darüber finden sich zum Beispiel hier.