Das Internet.
Unendliche Weiten.
Unzählige Chancen und Möglichkeiten.
Grenzenlos und offen.
Anonym und intim gleichermaßen.
Und weltweiter virtueller Aufenthaltsort für Menschen jeder Art.

Internet-User spiegeln einen Querschnitt durch die Gesellschaft wider.
Es gibt nette Leute und weniger nette. Personen, die offen, hilfreich und ehrlich sind, und andere, die egoistische, unlautere Ziele verfolgen. Diese Seite befasst sich mit denen, die falsche Identitäten annehmen, dazu ganze Leben erfinden und andere User mutwillig täuschen. Warum sie sich so verhalten, spielt für diese Website keine Rolle. Fakt ist, es mögen persönliche Dispositionen, psychische Störungen oder einfach Langeweile und Ignoranz dahinter stecken – die negativen Auswirkungen für die Menschen, die davon betroffen sind, sind immer schlimm.

Was im Real Life meist schwierig ist, wird im Netz ganz leicht.
In andere Rollen schlüpfen, Dinge ausleben, die man sich im wahren Leben nie trauen würde, dem Alltag entfliehen. All das ist fast risikolos möglich.
Innerhalb von Sekunden lässt sich eine beliebige E-Mail-Adresse generieren, mit der man sich innerhalb von Minuten bei jedem beliebigen Social Network anmelden kann. Mit Hilfe passender Fotos und ein wenig Bildbearbeitung kann man sich Stück für Stück eine frei gewählte andere Identität zulegen. Mann, Frau, alt, jung, bodenständig, sexy – alles ist möglich, solange die eigene Phantasie es erlaubt, die neue Rolle einigermaßen glaubwürdig durchzuspielen.

Briefe Ich hielt mich immer für kompetent, was das Internet betrifft, zumal ich beruflich viel damit zu tun habe. Trotzdem ist es mir passiert. Ich wurde Opfer eines Realfakes, das heißt eines Menschen, der mit größtem Aufwand eine falsche Identität als seine eigene ausgab. Ich kommunizierte über Monate mit jemandem, den es so nicht gab. Denn alles was ich über Fakes wusste, alle Vorurteile über plumpe, dumme Vorgehensweisen, offensichtlich als Fake-Profile identifizierbare Accounts und klar erkennbare (zum Beispiel materielle) Ziele griffen in meinem Fall nicht.
Ich bloggte meine Geschichte Ende Juni 2013, um andere Menschen zu warnen, Sensibilität für das Thema zu schaffen und aufzuklären. Bitte lest hier:
Fake
Fake, Teil 2

Im Rahmen dieses Blog Posts rief ich damals die Leser dazu auf, sich bei mir zu melden, falls sie Ähnliches erlebt haben sollten. Ich ging davon aus, dass ich ein Einzelfall wäre, wurde aber schnell eines Besseren belehrt: Bekam ich bis zum Erscheinen meines Buches im Oktober 2015 noch etwa alle zwei bis drei Tage eine Mail von einem/r Betroffenen – Frauen und Männer jeden Alters und jeder Bildungsschicht –, sind es mittlerweile ein bis zwei Mails pro Tag! Bei 500 Betroffenen hörte ich auf mitzuzählen, ich bin mir aber sicher, dass die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher liegt, denn mir schreiben logischerweise ja nur Menschen, die durch Googeln oder Medienberichte auf diese Seite aufmerksam gemacht wurden. Das Erschreckende: Ich spreche hier ausschließlich von echten Realfakes-Fällen, d.h. es waren Fakes involviert, die mit großem Aufwand arbeiteten, über ganze Netzwerke aus Fake-Accounts verfügten und keinerlei finanzielle Interessen hatten!

Werde ich kontaktiert, versuche ich, den Betroffenen mit Mails oder Gesprächen zur Seite zu stehen, und es freut mich, wenn ich helfen konnte. Manche der Fälle benötigen sehr viel Zeitaufwand. Manchmal hilft schon ein kurzer Mailwechsel oder ein Telefonat. Einigen hat das Erlebte dermaßen den Boden unter den Füßen weggerissen, dass tiefgreifende psychische Probleme zurückblieben. Mir wird von Selbstmordgedanken, Depressionen, absolutem Vertrauensverlust und Angstzuständen berichtet. In diesen Fällen rate ich natürlich dazu, langfristig die Hilfe eines Psychologen/einer Psychologin in Anspruch zu nehmen.

Was mich besonders erschüttert ist, dass viele der Betroffenen noch nie zuvor mit jemandem darüber gesprochen haben, was ihnen widerfahren ist. Aus Angst vor Spott, Belehrungen, Unverständnis – und einer tiefgreifenden Scham. Denn die natürliche Reaktion darauf, dass jemand auf einen Fake hereingefallen ist, scheint immer zu sein: „Warum ist dir denn nicht aufgefallen, dass …“, „Du hättest doch etwas merken müssen!“, „War doch klar! Der Typ auf den Fotos sah doch viel zu gut für dich aus!“, „Da gehören ja immer zwei dazu …“ etc.
Die Menschen, die mir schreiben, können sicher sein, dass sie sich mir gegenüber nicht rechtfertigen müssen. Ich frage nicht nach dem „Wieso?“, denn ich weiß, dass Realfakes ein ausgeklügeltes Repertoire an psychischen Tricks auf Lager haben, mit denen sie, trotz aller aufkommenden Zweifel von Seiten des Opfers, immer wieder Vertrauen und Nähe schaffen.

Viele Betroffene befinden sich zum Zeitpunkt des Schreibens in einer „Beziehung“ mit einer Person aus dem Internet, die sie noch nie gesehen haben; bei anderen liegt das Erlebte schon einige Zeit zurück, sie können damit aber nicht abschließen. Die meisten wünschen eine Einschätzung ihrer persönlichen Situation, möchten wissen, ob es sich bei bestimmten Accounts um Fakeprofile handelt, oder hoffen, dass es mir gelingt, die echte Person hinter ihrem Fake zu finden (was in den wenigsten Fällen möglich ist). Ich lasse mir vorhandenes Material, URLs, Fotos und Mails schicken und versuche, mir ein eigenes Bild zu machen. Oft ist es sehr einfach aufzudecken, dass es sich um einen Fake handelt, manchmal bleibt ein großes Fragezeichen, manchmal sind das Ergebnis Fakten, manchmal nur Prognosen – und was die Betroffenen letzten Endes mit meinen Informationen machen, bleibt natürlich ganz allein ihnen vorbehalten. Von Rache-Aktionen jeglicher Art rate ich allerdings grundsätzlich ab.

Diese Seite informiert darüber, mit welchen Methoden Fakes arbeiten, was Betroffene und Besorgte tun können und wie man sich schützen kann. Mit Hilfe der Tipps können Opfer selbst recherchieren und erzielen oft aufschlussreiche Ergebnisse.

Mein ganz persönliches Ziel ist die Prävention. Damit es gar nicht erst so weit kommen muss, dass Menschen unter den Folgen von „Beziehungen“ mit Realfakes zu leiden haben.
Gerne besuche ich auch Schulen und spreche dort über das Thema. Bitte kontaktieren Sie mich bei Interesse.

Ich möchte ausdrücklich nicht das Internet verteufeln. Das Internet ist großartig! realfakes.net befasst sich lediglich mit einem unschönen Phänomen, sozusagen „der dunklen Seite der Macht“. Nur wenn man über dieses Phänomen spricht, wird man es eindämmen können.

Neuigkeiten und Ergänzungen zu dieser Seite gibt es hier.

Anmerkungen:

Die Informationen auf dieser Seite sind lediglich das persönliche Ergebnis meiner Recherche auf dem Gebiet des „Phänomen Realfake“, zahlreicher langer Telefonate und unzähliger ausgetauschter Mails mit Betroffenen und der darauf folgenden Auswertung unterschiedlichster Fälle. Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit.

Diese Seite befasst sich nicht mit Scamming. Da es sich hier um eine kriminelle Straftat mit finanziellen Absichten handelt, ist die Tätermotivation eine ganz andere. Informationen darüber finden sich zum Beispiel hier.